Weniger fliegen – gerechter reisen
Schon heute verursacht der Flugverkehr rund 27 Prozent des Klimaeffekts der Schweiz. Dieses Jahr wurden bereits Rekorde gebrochen. Die Airlines halten dennoch an ihrem Wachstumskurs fest. Fliegen gilt noch immer als Symbol von Freiheit. Doch diese Freiheit hat ihren Preis – und zwar einen, den nicht alle gleichermassen bezahlen. Während Vielflieger*innen für ein verlängertes Wochenende nach London oder New York reisen, tragen Menschen weltweit die Folgen der Klimakrise: Dürren, Überschwemmungen und Hitzewellen treffen besonders jene, die am wenigsten zur Erderwärmung beitragen.
Mehr als 80 Prozent der Menschen weltweit sind noch nie geflogen. Fliegen ist kein Grundbedürfnis, sondern ein Privileg. Wer die Möglichkeit hat zu fliegen, sollte sich bewusst sein, welche Klimakosten damit verbunden sind. Die Verantwortung allein aufs Individuum abzuschieben, reicht nicht. Die Politik muss griffige Massnahmen ergreifen.
Hinzu kommt, dass der Flugverkehr bis heute von zahlreichen Privilegien profitiert. Internationale Flugtickets sind häufig von der Mehrwertsteuer befreit. Auf Kerosin werden kaum Abgaben erhoben. Dadurch entstehen Wettbewerbsverzerrungen zulasten klimafreundlicher Verkehrsmittel wie dem Zug. Wer nachhaltig reisen möchte, bezahlt heute oft mehr – obwohl genau diese Form der Mobilität gesellschaftlich gefördert werden sollte.
Ein wichtiger Schritt ist deshalb die Mobilitätsbon-Initiative. Die Initiative will fairere Bedingungen für klimafreundliches Reisen schaffen: Mit einer verursachergerechten Abgabe auf Flugtickets und Privatjets sollen klimaschädliche Flugreisen verteuert und Zugreisen günstiger und attraktiver werden.
Die Nachfrage nach Nachtzugverbindungen ist in den vergangen Jahren gestiegen. Dennoch strichen Ständerat und Nationalrat Ende 2025 die Subventionen für die Nachtzugverbindung nach Malmö. Die SBB kann das geplante Angebot deshalb nicht realisieren. Statt Anreize zu erhöhen, läuft in Bern ein umweltpolitischer Backlash.
Umso mehr braucht es auch die lokalpolitischen Ansätze in der Stadtpolitik. Die Grünen darum im Gemeinderat fordern unter anderem eine Kampagne zur Reduktion der Treibhausgasemissionen aus Flugreisen. Natürlich sind die direkten Hebel der Stadt Zürich in der Flugpolitik begrenzt. Weder bestimmt die Stadt über Kerosinsteuern noch über internationale Flugabkommen. Doch gerade deshalb sind Information, Sensibilisierung und öffentliche Debatten wichtig. Eine gelungene Kampagne kann Menschen zum Nachdenken anregen, Alternativen sichtbar machen und eine gesellschaftliche Diskussion fördern. Ebenfalls fordern die Grünen im Gemeinderat ein Verbot von klimaschädlicher Werbung und die Beschaffung von Nachtzügen.
Konsequenter Klimaschutz bedeutet, Verantwortung dort zu übernehmen, wo Emissionen besonders hoch und vermeidbar sind. Weniger Flüge und mehr Zugreisen sind ein Beitrag zu mehr globaler Gerechtigkeit und zu einer lebenswerten Zukunft für alle.