Ökologisch, bezahlbar, solidarisch – der Grüne Wahlkampf in Zürich

Als Wahlkampfleiter für die Gemeinde- und Stadtratswahlen der Grünen Stadt Zürich wusste ich von Anfang an: Diese Wahlen werden entscheidend. Es geht um die linke Mehrheit im Gemeinderat – und die historische Chance auf einen dritten grünen Stadtratssitz. Jetzt, wenige Wochen vor dem 8. März, blicke ich auf einen intensiven, innovativen und nervenaufreibenden Wahlkampf zurück.

Unsere Kampagne steht auf drei inhaltlichen Säulen: Ökologisch. Bezahlbar. Solidarisch. Diese drei Begriffe sind nicht nur Schlagworte, sondern unser Kompass für eine Stadt, die für alle lebenswert bleiben soll. Doch so klar die Inhalte waren, so herausfordernd war es, sie in einer fragmentierten Medienlandschaft sichtbar zu machen – und das mit begrenzten Ressourcen.

Deshalb setzten wir von Anfang an auf unsere Basis. Im Herbst starteten wir ein Crowdfunding mit dem Ziel von 50’000 Franken – und übertrafen es deutlich. Hunderte Menschen investierten nicht nur Geld, sondern zeigten auch Vertrauen in unsere Arbeit und unsere Bewegung.

Parallel dazu wagten wir ein spannendes Experiment: Wir riefen alle unsere Mitglieder und Sympathisant*innen persönlich an und baten sie, unsere Wahlzeitung zu verteilen. Das Resultat? Über 200 Freiwillige, die mehr als 200’000 Wahlzeitungen in Briefkästen tragen – zum ersten Mal in unserer Geschichte komplett ohne die Post. Ein klares Zeichen: Diese Kampagne wird von Menschen getragen, nicht von teuren Dienstleistern.

Im Hauptwahlkampf fuhren wir eine zweigleisige Strategie. Für die Stadtratswahlen setzten wir auf klassische Sichtbarkeit: Plakate im ganzen Stadtgebiet, weil bei dieser Wahl die Namensbekanntheit unserer drei Kandidierenden zählt. Ergänzend produzierten wir mit jungen und innovativen Filmemacher*innen Videos für Social Media.

Beim Gemeinderatswahlkampf hingegen fokussierten wir stark auf digitale Inhalte. Videos auf Facebook, Instagram und YouTube sollten unsere diversen Themen sichtbar machen – authentisch, nahbar, ohne grossen Medienbudget-Aufwand. Für die Standaktionen unserer Kreisparteien liessen wir ausserdem nutzbringende  Give-Aways produzieren: Tee-Sticks und Zündhölzchen, die bei den Menschen gut ankommen und Gespräche möglich machen. Die Door-to-Door Gespräche in den Quartieren wurden sogar von den Medien aufgenommen.

War es die Kampagne, die zu den guten Umfragewerten beigetragen hat? Schwer zu sagen. Wahlkämpfe sind komplexe Gebilde, und viele Faktoren spielen eine Rolle. Was ich aber sagen kann: Dieser Wahlkampf hat mir enorm viel Spass gemacht – und gleichzeitig sehr viel Energie und Nerven gekostet. Die Spannung steigt, die Tage werden länger, und die To-Do-Listen werden nie kürzer.

Jetzt, in der heissen Phase, geht es nur um eins: Mobilisierung. Jede Stimme zählt, besonders für die fragile linke Mehrheit im Gemeinderat. Am 8. März hoffen wir auf drei grüne Stadtratssitze und eine ausgebaute linke Mehrheit. Ob es klappt? Das entscheidet sich in den nächsten Wochen – auf der Strasse, in den Quartieren, in den Briefkästen und letztlich an den Wahlurnen von Zürich.

Eticus Rozas, Leiter Wahlkampf Grüne Gemeinde- und Stadtratswahlen 2026, Co-Präsident Grüne Stadt Zürich