Weshalb braucht es sie? Die jüngste Unfallstatistik gibt auf den ersten Blick Anlass zur Freude und auf den zweiten zur Sorge. 2025 verzeichnete die Stadt so wenige Unfälle wie seit zehn Jahren nicht mehr. Gleichzeitig wurden 196 Menschen schwer verletzt, so viele wie seit 2018 nicht mehr, und fünf Menschen starben. Vier von fünf schwer Verunfallten waren zu Fuss, auf dem Velo oder dem Motorrad unterwegs, also jene, die im Verkehr am wenigsten geschützt sind. Es kracht seltener, aber wenn es kracht, trifft es die Schwächsten.

Dass es anders geht, ist keine Theorie. «Vision Zero» ist ein international etablierter Ansatz, den Schweden bereits in den 1990er-Jahren beschloss und den auch der Bund übernommen hat. Städte wie Oslo und Helsinki kommen heute ganze Jahre ohne einen einzigen Verkehrstoten aus. Der gemeinsame Nenner ist nüchtern und unideologisch: sichere Kreuzungen, gut gestaltete Strassen, das Entschärfen bekannter Gefahrenstellen. Der Grundgedanke dahinter: Menschen machen Fehler, und ein gutes Verkehrssystem ist so gebaut, dass ein Fehler nicht tödlich endet.

Was will die Initiative konkret? Sie verankert das Ziel «keine Verkehrstoten und keine Schwerverletzten» in der Gemeindeordnung, ähnlich wie Zürich dies beim Netto-Null-Klimaziel getan hat. Dazu gehören ein verbindlicher Zielpfad mit überprüfbaren Zwischenzielen, die systematische Sanierung von Unfallschwerpunkten innert Frist und ein jährlicher, öffentlicher Bericht über die Fortschritte. Die Initiative schreibt der Stadt dabei kein fertiges Rezept und keine einzelne Massnahme vor. Sie verpflichtet sie auf ein Ergebnis, überlässt den Weg dorthin aber der Stadt und dem demokratischen Prozess und macht den Fortschritt Jahr für Jahr überprüfbar.

Gerade das sollte über die Parteigrenzen hinweg überzeugen. Eine Stadt, die sich ein klares Ziel setzt und sich daran messen lässt, handelt nicht ideologisch, sondern verantwortungsvoll und effizient. Jeder schwere Unfall bedeutet zudem menschliches Leid und hohe Kosten für die Allgemeinheit. Verkehrssicherheit kostet keine Freiheit, sie schützt sie: die Freiheit eines Kindes, allein zur Schule zu gehen, und die Gewissheit, am Abend sicher nach Hause zu kommen. Dafür lohnt sich ein Ja, und dafür lohnt sich eine möglichst breite Allianz.

Wir laden alle ein, die Verkehrssicherheit ernst nehmen, diesen Weg mitzugehen.

 

Eticus Rozas, Co-Präsident GRÜNE Stadt Zürich