Ankündigung: GRÜNE Volksinitiative «Vision Zero» – keine Verkehrstoten und keine Schwerverletzten mehr in Zürich
Weniger Unfälle, aber so viele Schwerverletzte wie seit 2018 nicht mehr
Die GRÜNEN Stadt Zürich werden eine Volksinitiative lancieren, die das Ziel «Vision Zero», keine Verkehrstoten und keine Schwerverletzten mehr, in der Gemeindeordnung verankern soll. Die Unfallstatistik zeigt, dass dies nötig ist, denn obwohl Zürich insgesamt so wenige Unfälle wie seit zehn Jahren verzeichnet, wurden so viele Schwerverletzte registriert wie zuletzt 2018. Wer im Verkehr kein Blech um sich herum hat, ist weiterhin gefährlich unterwegs. Zürich ist bestrebt dies zu ändern. Doch ausgerechnet dort, wo die Stadt ihre Bevölkerung schützen will, fallen ihr Kanton und Bund in den Rücken. Deshalb ist die Initiative sowohl eine zukünftige Selbstverpflichtung der Stadt als auch ein Bekenntnis gegenüber den anderen Staatsebenen: Die Zürcher Stimmbevölkerung hat schon mehrfach bekräftigt, dass sie sichere Strassen will und soll sich diesen Anspruch nicht von Bund oder Kanton aushebeln lassen müssen.
Sehr geehrte Medienschaffende
Fünf Tote sind keine Statistik. Es sind fünf Menschen.
Im Jahr 2025 starben in der Stadt Zürich fünf Menschen im Strassenverkehr, halb so viele wie im Vorjahr. Drei von ihnen waren zu Fuss unterwegs. Der Rückgang ist ein Fortschritt und er ist auch das Resultat einer Politik, für die wir GRÜNE seit Jahren kämpfen: tiefere Geschwindigkeiten, sichere Velowege, entschärfte Kreuzungen.
Aber ein Rückgang bei fünf Menschenleben ist kein Sicherheitsbeweis, sondern eine Momentaufnahme. Der Rest der Statistik zeigt in die andere Richtung: 196 Menschen wurden 2025 in Zürich schwer verletzt, der höchste Stand seit 2018. Bei Unfällen mit Velo und E-Bike stieg die Zahl der Schwerverletzten von 61 auf 76. Rund vier von fünf Schwerverunfallten waren Menschen zu Fuss, auf dem Velo, dem E-Bike, dem E-Trotti oder dem Motorrad.
Anders gesagt: Es kracht in Zürich seltener, aber wenn es kracht, trifft es fast immer jene, die keinen Airbag haben.
«In Zürich sinken zwar die Unfallzahlen seit zehn Jahren, es wird aber übersehen, dass so viele Menschen schwer verletzt werden wie seit 2018 nicht mehr. Ein System, in dem die Unfälle sinken, aber die Folgen für Fussgänger*innen und Velofahrende immer schwerer werden, schützt zu wenig. Deshalb lancieren wir die Vision Zero», sagt Eticus Rozas, Co-Präsident der GRÜNEN Stadt Zürich.
Vision Zero ist anderswo schon Realität
«Vision Zero» ist kein GRÜNER Wunschtraum, sondern ein seit den 1990er-Jahren erprobter Ansatz: Strassen und Regeln werden so gestaltet, dass menschliche Fehler nicht tödlich enden. Der Massstab waren dabei von Beginn weg Tote und Schwerverletzte gleichermassen.
Die Wirkung zeigt sich zum Beispiel in Städten mit flächigem Tempo 30. Bologna verzeichnete im ersten Jahr rund 31 Prozent weniger schwere Unfälle, 11 Prozent weniger Verletzte und halb so viele Verkehrstote. In Wales, das 2023 landesweit Tempo 30 zum Normalfall machte, gab es im ersten Jahr rund 100 Getötete und Schwerverletzte weniger, während ihre Zahl auf den weiterhin schnelleren Strassen sogar stieg. Und Oslo, wie auch Helsinki kommen gegenwärtig ganze Jahre ohne Verkehrstote aus. Der gemeinsame Nenner ist immer derselbe: tiefe Geschwindigkeiten, sichere Kreuzungen, geschützte Fussgänger*innen- und Velowege. Was fehlt, ist nicht das Wissen, sondern der politische Wille.
«Niemand steigt ins Auto mit der Absicht, einen anderen Menschen zu verletzen. Genau deshalb müssen wir unsere Strassen so gestalten, dass menschliche Fehler nicht zu Tragödien führen. Die Werkzeuge für eine Umsetzung der Vision Zero sind da, nutzen wir sie auch.», sagt Fabian Stieger, Gemeinderat der GRÜNEN.
Zürich will seine Bevölkerung schützen und wird daran gehindert
Der politische Wille ist in Zürich vorhanden: mit dem Ja zu Velovorzugsrouten, mit dem Ja zu Tempo 30, mit einer klaren Mehrheit für eine sichere Mobilität. Was fehlt, ist nicht die Mehrheit, sondern der Handlungsspielraum. Denn der Volkswille wird von oben ausgebremst. Der Regierungsrat liess im März 2026 am Neumühlequai über Nacht einen provisorischen Veloweg entfernen, den die Stadt zum Schutz der Velofahrenden rund um eine Grossbaustelle eingerichtet hatte. Der kantonale Anti-Stau-Artikel blockiert selbst bescheidene Schritte zu sicherer Veloinfrastruktur. Und der Bund will Tempo 30 auf verkehrsorientierten Strassen per Verordnung erschweren, am Parlament und an einem möglichen Referendum vorbei, wogegen sich auch der Schweizerische Städteverband wehrt.
Das ist die Bruchlinie der Zürcher Verkehrspolitik: eine Stadt, die ihre Bevölkerung schützen will und dafür demokratisch legitimiert ist, gegen einen Kanton und einen Bund, die ihr dabei in den Rücken fallen. Ein Ja zur Vision Zero ist deshalb ein Auftrag der Stadt an sich selbst und zugleich ein Signal nach Bern und an den Regierungsrat.
«Der Kanton räumt nachts Velospuren weg, der Bund erschwert Tempo 30 per Verordnung, und in Zürich werden derweil so viele Menschen schwer verletzt wie seit 2018 nicht mehr. Wir holen uns mit dieser Initiative das Recht zurück, unsere eigene Bevölkerung zu schützen. Die Zürcher*innen sollen selber entscheiden, wie sicher ihre Strassen sind», sagt Eticus Rozas.
Was die Initiative verlangt
Die Volksinitiative verankert die «Vision Zero» in der Gemeindeordnung und verpflichtet den Stadtrat insbesondere zu:
- einer verbindlichen Vision-Zero-Strategie mit klaren, überprüfbaren Zwischenzielen von 2030 bis 2040;
- einer systematischen Überprüfung und Überarbeitung von Orten an denen es Unfälle mit Schwerverletzten oder Toten gab – und dies in einer geregelten Frist;
- einer systematischen Temporeduktion an Unfallschwerpunkten und in sensiblen Bereichen wie Schulwegen, Wohnquartieren und rund um Alters- und Gesundheitseinrichtungen;
- einem prioritären Ausbau sicherer Infrastruktur für den Fuss- und Veloverkehr, insbesondere an Konfliktpunkten mit motorisiertem Verkehr.
Zentral ist dabei: Die Initiative zielt auf Tote und Schwerverletzte. Ein gutes Jahr bei den Todesfällen darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass Menschen weiterhin mit bleibenden Verletzungen aus dem Zürcher Verkehr nach Hause kommen.
«Sicherheit im Verkehr ist kein Glücksfall, sondern eine Planungsaufgabe. Menschen machen Fehler. Ein gutes Verkehrssystem verzeiht sie. Wenn ein Kind auf dem Schulweg einen Moment unaufmerksam ist, darf das nicht sein Leben kosten», sagt Simone Widmer, Gemeinderätin der GRÜNEN.
Das Ziel steht. Den Weg zeigen wir auf.
Die Volksinitiative ist der Auftakt eines mehrjährigen GRÜNEN Schwerpunkts zur städtischen Mobilität. Parallel dazu erarbeiten wir in einem basisdemokratischen Mitgliederprozess ein Positionspapier «Verkehr», das aufzeigt, wie Zürich sicherer, leiser, kühler und gerechter unterwegs sein kann – von der Veloförderung über Cargobikes bis hin zur geteilten Mobilität und der Elektrifizierung des verbleibenden Autoverkehrs.
Eine Vision ohne Weg dorthin bleibt eine Absichtserklärung. Wir GRÜNE fordern deshalb nicht nur das Ziel. Wir werden in den kommenden Monaten Schritt für Schritt aufzeigen, wie Zürich dorthin gelangt. Konkret, überprüfbar und mit klaren Fristen. Man darf gespannt sein.
Für weitere Auskünfte:
Eticus Rozas, Co-Präsident GRÜNE Stadt Zürich, 076 598 72 73, eticus.rozas@gruenezuerich.ch
Simone Widmer, Gemeinderätin Kommision TED/DIB, 079 891 72 73, simone.widmer@gemeinderat-zuerich.ch
Fabian Stieger, Gemeinderat Kommision SID/V, 078 909 07 91, fabian.stieger@gemeinderat-zuerich.ch
Zürich, 23. Juli 2026