Warum darf der Laubbläser alles?

Christine Dobler Gross
, Di 06.11.18

Immer mehr Leute reagieren mit grossem Unverständnis und ebenso grossem Ärger, wenn sie einem Laubbläser zuschauen, wie und wo er wirkt. Seit Jahren besteht die Möglichkeit, diese lärmigen, ungesunden, stinkenden, naturschädigenden Geräte ungehindert einzusetzen. Keine Limiten, ausser der üblichen Ruhezeitenregelung. Jeder kann ihn nutzen, ohne Qualifikation, auch die alten Geräte, wo, wie und solange er will. Bei unsern vielen Regulierungen absolut unverständlich, dass hier die Freiheit grenzenlos ist und bis auf die Hausdächer hinauf sein Unwesen treiben darf!

Leider hat auch die Stadtregierung von Zürich immer noch nicht erkannt, wie wichtig es wäre, endlich aktiv zu werden: durch Aufklärung über die Naturschäden (Anschreiben der Immobilien-Verwaltungen usw.), durch gesetzliche Regelungen und Einschränkungen der Geräte in der Lärmschutzverordnung, durch vorbildliches Vorausgehen mit der Handhabung der Laubbläser und so weiter. Gesetzliche Regelungen braucht es zwingend, denn als Hauptproblem nehme ich inzwischen die privaten Laubbläsernutzer wahr (Hauswarte, Facilitiy-Leute, Reinigungsfirmen), die neben dem Treppenhaus gleich auch noch den Garten „putzen“, das ganze Jahr hindurch. Die Behauptung der Effizienz wird mit ihrer Wiederholung nicht wahrer: meist muss man die Arbeit gar nicht erledigen – es braucht keine Garageeinfahrten, welche wöchentlich von jeder Tannennadel befreit werden – und wenn man etwas entfernen will, dann reicht der Besen oder Rechen. Mit den wenigen Ausnahmen, wo ein Laubbläser effizienter ist, kann man nicht mehr den ganzen täglichen Terror rechtfertigen. Niemand glaubt mehr das Argument der Effizienz, zu viel haben wir alle nun mit eigenen Augen gesehen. Es gibt unzählige Bilder und Videos, die den ganzen Blödsinn dokumentieren.

Dieses neurotisch anmutende, zwanghafte Putzen in den Grünräumen, ob mit oder ohne Akku, leistet zudem der Gesinnung Vorschub, auch die Grünflächen müssten jederzeit sauber sein. Der Einsatz der Fadenmäher hat ebenfalls zugenommen und wütet nicht minder zerstörerisch in den Gärten herum. Unkraut- und Insektenvernichtungsgifte erledigen dann noch den Rest, auch in den Gewässern. Dieser „Kriegszustand“ mit regelmässigen Orkanen aus den Bläsern und Schneidegeräten bis auf den Boden hinunter bedeutet das Ende der Kleinlebewesen in unsern Grünflächen, Grundlage der Nahrungskette. Damit sind wir auf dem bestem Weg, die Fauna im Siedlungsraum auch noch kaputtzumachen. In den Landwirtschaftsflächen ist sie schon weitgehend vernichtet.

Laubbläserbenutzer sind oft unqualifizierte Arbeiter, erledigen meist einen Auftrag und verdienen ihr Geld – also sind die Auftraggeber in der Pflicht. Nur fehlt mir der Glaube, dass sich ohne gesetzliche Regelung etwas bewegt. Im Gegenteil: der Einsatz solcher Geräte nimmt laufend zu und ist natürlich ein gutes Geschäft…für den Hersteller und Verkäufer also durchaus eine einträgliche Sache!

Unqualifizierte Leute pflegen die Gärten kaputt, aus Kostengründen. Kann es sein, dass qualifizierte Pflege gar nicht teurer wäre, weil nämlich etliche überflüssige Arbeiten wegfallen würden? Verliererin in diesem ganzen Treiben ist einmal mehr die Natur. Wie lange erlaubt es sich unsere Gesellschaft noch, diesem Treiben weiterhin tatenlos zuzuschauen?

(erschienen am 2.11.19 als Leserbrief auf naturschutz.ch)

Kommentare

Guten Tag! An allen vier Orten in der Stadt Zürich, an denen ich seit 1981 gewohnt habe, waren Laubbläser mehr als nur ein Ärgernis. Sind mit ihrem hallenden Lärm in Innenhöfen und ihrem penetranten Gestank eine wirkliche Beeinträchtigung der Lebensqualität. Als fleissige Hobbygärtnerin weiss ich auch, dass "nackte Böden" auslaugen. Warum gibt es hier keinen Konsens der Vernunft? Weil die "Kanonen" beliebte Männerspielzeuge sind? Wie langen müssen wir diese Infantilisierung noch aushalten? Grüsse F.O.

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