Von Buchen und Eiben

Felix Moser
, Mo 12.11.18

Nun wird also weiter geholzt am Uetliberg. Von 10'500 Bäumen sollen rund 2000 gefällt werden. Ein Teil davon ist den 18 Seilbahnen im Wege, mit denen die gefällten Bäume hochtransportiert werden, ein Teil wird wirklich geholzt. Ob das nun aus Sicherheitsgründen («Schlammlawinen im Friesenberg»), aus ökologischen Gründen oder aus wirtschaftlichen Gründen geschieht, das ist immer noch nicht so klar.

Klar ist aber, was mit dem Holz geschieht. Buchenstämme werden an einen Holz-Grosshändler verkauft, und dieser verkauft sie weiter – im Moment ist China ein grosser Abnehmer von europäischem Buchenholz. In China wird das Holz unter anderem zu Furnier- und Sperrholz verarbeitet. Dieses wird wiederum in den Weltmarkt verkauft, und landet so zum Teil wieder in der Schweiz. Dank der globalen Wirtschaft kommt das Schweizer Holz also immerhin teilweise wieder in die Schweiz zurück.

Anscheinend lohnt sich das, zumindest finanziell. Containerschiffe bringen Spielsachen, Elektronik und Kleider made in China nach Europa. Zurück müssten sie leer fahren und sogar Wasser laden, weil sie sonst zu wenig Tiefgang haben. Da sind Container mit europäischem Buchenholz gerade recht. Diese werden für wenig Geld mitgenommen und landen so in China, das selber zu wenig Holz produziert.

Neben den Buchen werden auch Eiben gefällt. Eiben werden kaum nach China verschifft. Hingegen stehen Eiben gemäss der Uetliberg-Schutzverordnung unter besonderem Schutz: «Die Waldschutzzone Natur dient der langfristigen Erhaltung … für Bestände mit Eiben.» Das fragliche Gebiet liegt eben in dieser Waldschutzzone Natur. Eiben sind die älteste Baumart in Europa, schon Ötzi war mit einem Eibenstab unterwegs. Samen und Nadeln der Eibe sind für Menschen, Kühe und Pferde giftig. Für Rehe hingegen sind Eibennadeln ein Leckerbissen. Menschen können nur die süssen, roten Beeren der Eibe (die botanisch gesehen gar keine Beeren sind) essen: Das Fruchtfleisch vorsichtig von den (giftigen!) Samen befreien und dann die Beeren geniessen. Mein Vater hat mir das als Kind jeweils gezeigt, wenn wir im Wald spazieren gingen. Zurück zu den Rehen. Das grösste Problem bei der Aufzucht junger Eiben ist nicht mangelndes Licht, wie Grün Stadt Zürich suggeriert, sondern der Verbiss durch Rehwild. Die Förderung von Eiben gelingt nur, wenn der Bestand an Rehen klein ist, oder alle jungen Eiben rigoros eingezäunt werden. Das Fällen von alten Eiben ist der falsche Ansatz.

Die mediale Berichterstattung über den Holzschlag war bis jetzt recht einseitig. Dass sich nun die Fondation Franz Weber mit einem Gutachten und einer prononcierten Meinung eingeschaltet hat, ist sehr zu begrüssen. Eine Diskussion über die Waldbewirtschaftung ist in Zürich nötig – gerade wenn weiterhin so grosse Holzschläge durchgeführt werden sollen. Deshalb organisieren die Grünen Stadt Zürich in den nächsten Wochen eine öffentliche kontradiktorische Veranstaltung dazu. Ich hoffe sehr, dass in der Sache Holzschlag am Uetliberg das letzte Wort noch nicht gesprochen ist.

(erschienen im P.S. 9.11.18)

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