Früher oder später

Do 30.05.13

Fraktionserklärung der Grünen zur unentgeltlichen Kinderbetreuung

Der Bund hat kürzlich das Nationale Programm zur Prävention und Bekämpfung der Armut [1] verabschiedet. Zur Armutsbekämpfung will er in erster Linie die Bildungschancen erhöhen. Der Bund betont, dass bereits in der frühen Kindheit die Grundlagen dazu gelegt werden.

Lange bevor die Kinder Lesen, Schreiben und Rechnen lernen, erwerben  sie wichtige sprachliche, soziale und emotionale Kompetenzen, z.B. sich in einer Gruppe eingliedern können oder lernen, dass die Bezugsperson nicht einem Kind allein zur Verfügung steht, um seine Wünsche zu erfüllen[2].

Kinder können diese Fähigkeiten nicht allein in der Familie erwerben. Das beste Beispiel sind Einzelkinder. Deshalb ist es wichtig, dass Kinder möglichst früh gefördert werden. Eine der besten und wichtigsten Möglichkeiten dazu ist die Bildung und Betreuung der Kinder in Krippen, Spielgruppen und Horten.

Natürlich braucht eine Kette von Massnahmen von der Geburt bis zum Abschluss einer Ausbildung. Aber je später eine Massnahme ergriffen wird, desto teurer ist sie. Deshalb macht es volkswirtschaftlich ganz einfach Sinn, in die frühe Bildung und Betreuung zu investieren. Der Bund investiert nicht ohne Grund gezielt in die frühe Förderung, aber seine Möglichkeiten sind beschränkt, da die Gemeinden zuständig sind.

Die Gemeinde sind wir, hier in diesem Gemeinderatssaal. Früher oder später werden auch die Sparer einsehen, dass es sich lohnt, in die ausserfamiliäre Betreuung zu investieren. Berechnungen des Return of Investment – z.B. vom Nobelpreisträger James Heckman – zeigen Verhältnisse von 1:2 bis 1:17[3]. Wenn die Stadt Zürich gescheit ist, wird sie ausserfamiliäre Betreuung gratis anbieten.

Es kann einfach nicht sein, dass es in der Stadt Zürich vom Einkommen der Eltern abhängig ist, ob ein Kind ausserfamiliär gefördert wird oder nicht. Natürlich dürfen sich Eltern weiterhin alleine zuhause mit ihren Kindern beschäftigen, aber die ausserfamiliäre Bildung und Betreuung wird irgendwann die Bildungschancen für alle Kinder verbessern ohne das Portmonee der Eltern zu strapazieren.

Irgendwann ist nicht heute. Nicht wegen der ablehnenden Argumente des Stadtrates, sondern weil der Kanton den Gemeinden nicht erlaubt, Kinderbetreuung gratis anzubieten. Nur deshalb ziehen wir heute unsere Motion 2012/153 zurück.

Aber: Wir werden wieder damit kommen, früher oder später.

[1] www.bsv.admin.ch à Themen à Alter, Generationen… à Sozial-/Gesellschaftspolitik à Armutsbekämpfung

[2] Experiment zur Illustration auf Youtube, Suchbegriff: Marshmallow Test mit Kindern

[3] Professor Daniel Schunk, Wirtschaftswissenschaft Universität Zürich steht Politiker/innen gerne für entsprechende Auskünfte zur Verfügung.